Gestapohäscher im ”Arkiv”

Gestapohäscher im ”Arkiv”

Wer waren die bestialischen Offiziere, die der deutschen Geheimen Staatspolizei in Kristiansand während des 2. Weltkrieges angehörten? Unter den Torturopfern gingen sie nur unter der Bezeichnung „Untiere". Nach Kriegsende erarbeitete das Polizeipräsidium in Kristiansand eine Personalübersicht über die am stärksten belasteten Gestapoleute.

RUDOLF KERNER

SS-Hauptsturmführer / Kriminalkommissar Rudolf Kerner, wurde am 21. Februar 1910 in Saarbrücken geboren. Er wurde in seiner Geburtsstadt getauft und konfirmiert. In seiner Jugendzeit gehörte er der katholischen Kirche an, meldete sich aber später aus.

Kerner machte 1938 das Abitur in Saarbrücken. Danach ging er für ein Jahr auf die Schuhfachschule in Pirmasens in der Pfalz. Dann war er ein Jahr Volontär bei der Firma „Ela" in Saarbrücken. Von 1932 bis 1936 arbeitet er im Schuhgeschäft seiner Mutter. Das Geschäft wurde dann verkauft und Kerner bewarb sich bei der Polizei. Er wurde als Polizeischüler bei der Staatspolizei in Saarbrücken eingestellt.

Am 1. Juli 1937 bestand er die Aufnahmeprüfung am Kriminaltechnischen Institut in Berlin (später umbenannt in Führerschule). Nachdem er das Examen abgelegt hatte, kehrte er nach Saarbrücken zurück, wo er sich bis Februar 1938 aufhielt. Dort ging er in Lehre bei der Kriminalpolizei und im Polizeipräsidium. Im Februar 1938 wurde er nach Berlin geschickt, wo er Schüler der Führerschule wurde (siehe oben).

Nach bestandenem Examen wurde er zum Hilfs-Kriminalkommissar ernannt und mit Wirkung vom 1. März 1939 an das Staatspolizeiamt Linz beordert. Dort bekam er eine halbjährige Ausbildung - Praxis - als Hilfs-Kriminalkommissar. Er wurde dann zum Kriminalkommissar auf Probe ernannt. Danach arbeitet er ein halbes Jahr als Hilfs-Sachbearbeiter beim Abteilungsleiter der Staatspolizei.

Am 1. Februar 1940 wurde er zum Kriminalkommissar befördert und erhielt eine eigene Abteilung. Die Abteilung hatte zur Aufgabe, mit Sachen gegen Marxisten und Kommunisten zu arbeiten. Aber in dieser Abteilung gab es wenig zu tun. Ihm wurde daraufhin ein Sonderreferat zugeteilt, das Nachforschungen in Homosexualitäts- und Abtreibungssachen vornahm. Er führte mehrere grössere Nachforschungen auf dem homosexuellen Gebiet, besonders in Klostern und bei der Hitler-Jugend, durch.

Anfang Juli 1940 erhielt er den Befehl, nach Wiesbaden zu reisen. Dort wurde er zum SS-Obersturmführer ernannt und wurde darauf zu einem Einsatzkommando in Metz in Lothringen beordert. Die Dienststelle lag in Diedenhofen. Sein Auftrag war die Leitung eines Überwachungskommandos in St. Diziers. Seine Arbeit bestand darin, über alle evakuierten Lothringer Kontrolle zu führen, die nach vorliegenden Plänen nach dem Krieg wieder nach Lothringen zurückkehren sollten. Die Personen, nach denen von der Polizei gefahndet wurde, wurden nach Metz überführt.

Diese Arbeit wurde am 1. März 1941 eingestellt. Er wurde deshalb zur Sicherheitspolizei nach Metz beordert. Dort war er bis Mitte Juli des gleichen Jahres stationiert. So wurde er nach Linz zurückbeordert. Nach Urlaub bis ungefähr 30. Juli bekam er den Befehl, sich bereit zu halten für die Übernahme irgendeines Einsatzkommandos.

Er wartete bis zum 30. August. Da bekam er den Befehl, sich so schnell wir möglich in Oslo zu melden. Dorthin kam er am 3. September 1941 und wurde zur Leitung der Sicherheitspolizei in Kristiansand beordert. Diese Stellung hatte er bis zur Kapitulation 1945 inne.

Rudolf Kerner wurde 1935 Mitglied der NSDAP .

FRIEDRICH WILHELM MEYER

Friedrich Wilhelm Meyer wurde am 31. März 1915 in Osnabrück geboren. Er ging nach dem Mittelschulexamen in die Lehre als Lagerangestellter bei einer Textilfabrik. Nach Beendigung der Lehrzeit arbeitete er im Lager der Fabrik. Ab April 1934 diente er ein Jahr als Soldat der Reichswehr. Danach wurde er wieder in der Textilfabrik angestellt. Im Juli 1937 begann er in der Grenzpolizei, wo er bis 1940 Chauffeur war. 1941 wurde er nach Posen beordert, wo er bis Anfang 1942 blieb. Dort arbeitete er in der 3. Kompanie der Grenzpolizei und war hauptsächlich beschäftigt mit Kartothekführung und als Chauffeur. Ende 1942 wurde er nach Aachen versetzt, versuchte aber aus der SS und der Polizei herauszukommen. Aus diesem Grunde wurde er zu zwei und einen halben Monat Gefängnis verurteilt. Als weitere Strafe wurde er nach Norwegen versetzt.

Er wurde so zur Dienststelle der deutschen Sicherheitspolizei in Kristiansand überstellt, wo er bei der Exekutionsabteilung (Abt. 4) Dienst tat. Zuerst arbeitete er mit Radiosachen, wurde aber später zum Verhör von Verhafteten, die der Mil.Org. angehörten, herangezogen. Zuletzt arbeitete er wieder mit Radiosachen und Kartothekführung von Mitgliedern der Mil.Org.

Meyer war von Ende 1935, bis er 1942 exkludiert wurde, Mitglied der NSDAP. 1935 wurde er Mitglied der SS.

Friedrich Albert Lappe

Kriminalassistent und SS-Hauptscharführer Friedrich Albert Lappe wurde am 2. April 1904 geboren. Über mehrere Jahre hin war er, nachdem er sein Examen in einer vierjährigen Volkshochschule abgelegt hatte, in seinem Heimatort Marienhagen im Rheinland mit Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Diese baute auf einer achtjährigen Volksschule auf.

1927 wurde er als Schüler in die Polizeischule aufgenommen. Später wurde er Wachtmeister der Schutzpolizei in Düsseldorf. Ab Sommer 1937 machte er seinen Dienst vertretungsweise als Kriminalassistent bei der Geheimen Staatspolizei. Nach einjährigem Dienst führte er einen drei monatlichen Kursus in der Kriminalpolizeischule in Berlin durch und wurde danach als Kriminalassistent in Düsseldorf fest angestellt. 1939 wurde er zum Kriminaloberassistent befördert.

Gleich nach der Invasion in Norwegen wurde er dorthin überführt. Hier machte er seinen Dienst in der Abteilung IV - Abwehr - bei der Sicherheitspolizei bis zum September 1940 in Kristiansand, danach wurde er nach Farsund versetzt. Dort leitete er die Sipo-Abteilung bis September 1941. So wurde er zur Sipo nach Kristiansand überstellt, wo er bis April 1943 blieb. 1943 avancierte er zum SS-Sturmscharführer / Kriminalsekretär und wurde so als Chef der Sipo-Abteilung nach Fleckefjord überführt. Im März 1944 wurde er nach Stavanger versetzt, wo er bis zur Kapitulation seinen Dienst verrichtete.

Während er bei der Abteilung in Kristiansand angestellt war, nahm er an mehreren Verhaftungen teil und arbeitete u.a. mit dem Aufrollen von Major Laudals Militärorganisation. Er war in dieser Zeit auch an einer Aktion auf der Hardangervidda beteiligt.

Friedrich Albert Lappe war Mitglied der NSDAP seit Mai 1939.

PAUL GLOMB

Paul Glomb wurde am 8. Juni 1905 in Sodow in Oberschlesien geboren. Nach der fünfjährigen Volksschule durchlief er eine dreijährige höhere Schule. Danach ging er drei Jahre in Lehre bei einem Kaufmann und wurde dann bis 1935 als Handelsgehilfe angestellt.

Im Herbst 1923 begann er auf der Polizeischule in Brandenburg an der Havel. Nach abgelegtem Examen verpflichtete er sich zu 12 Jahren Dienst in der Polizei. Bis zum Herbst 1937 arbeitete er dann bei der Ordenspolizei; wurde dann aber auf eigenen Wunsch nach Stettin versetzt. Nachdem er dort neun Monate gearbeitet hatte, wurde er auf die Kriminalpolizeischule nach Berlin geschickt, wo er einen drei-monatlichen Kursus absolvierte. Danach kehrte er nach Stettin zurück, wo er 1938 fest bei der Kriminalpolizei angestellt wurde und sich im Gegenzug in die Nazipartei NSDAP einschrieb. Später wurde ihm mitgeteilt, dass er ab 1. Mai 1937 als Mitglied geführt worden sei, also ein und ein halbes Jahr bevor er sich eigentlich als Mitglied beworben hatte. Da er sowohl polnisch als auch deutsch sprach, wurde er 1938 zur Grenzpolizei an die polnische Grenze überführt. Hier war er bis zum 22. August 1939 stationiert bevor er zum Kriegsdienst einberufen wurde.

Er nahm am deutschen Feldzug in Polen bis Warschau teil und machte danach für eine kürzere Zeit wieder Dienst bei der Grenzpolizei. Am 1. April 1940 wurde er zur Gestapo nach Pommern überführt, wonach er am 1. Februar 1943 nach Norwegen überstellt wurde.

Zuerst war er in Stavanger stationiert, wo er bei der Exekutionsabteilung der Sipo (Abt. 4) bis Februar 1944 arbeitete. Danach arbeitete er bei der Abteilung der Sicherheitspolizei in Kristiansand bis zur Befreiung. Auch hier arbeitete er in der Abteilung 4 und nahm an dem Aufrollen des norwegischen Untergrundheeres teil. Er arbeitete auch mit Sachen gegen die russischen Kriegsgefangenen in Kristiansand.

FRANZ GROMANN

SS-Oberscharführer Franz Gromann wurde am 3. November 1914 in Wien geboren. Er durchlief die fünfjährige Volksschule und die dreijährige höhere Schule. Danach besuchte er eine einjährige Vorschule, um später eine höhere Schule für Elektrotechnik besuchen zu können. Er hatte Glück aufgenommen zu werden, musste aber schon nach drei Monaten aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufhören. Ab 1930 und bis 1935 ging er bei mehreren elektrotechnischen Geschäften in Lehre. Danach war er für eine Zeit arbeitslos. Ab 1936 arbeitete er im Sommer für ein paar Jahre bei einer Architekt- und Baumeisterfirma und im Winter in einem Kohlenladen.

Schon 1936 meldete er sich in die NSDAP und SS ein. Beide diese Organisationen waren da verboten in Österreich, arbeiteten aber illegal. Nach dem „Anschluss" wurden die, die der illegalen SS angehörten, gefragt, ob sie in die Polizei eintreten wollten. Gromann akzeptierte das Angebot.

Er wurde auf die Grenzpolizeischule in Pretsch an der Elbe geschickt, wo er einen zwei-monatlichen Kursus durchmachte. Danach wurde er in Swinemünde stationiert. Am 1. November 1938 wurde er zur Marine einberufen und diente bis zum Januar 1941 seinen Militärdienst ab. Im Anschluss diente er vom Kriegsbeginn an bei der Flakartillerie an verschiedenen Orten in Deutschland und Holland solange er militärdienstpflichtig war.

Am 3. Januar 1941 wurde er zur Grenzpolizei zurückbeordert und bis Juli 1941 in Sassnitz stationiert; danach wurde er zur Gestapo nach Stettin versetzt. Hier arbeitete er hauptsächlich mit Sachen gegen verbotene Glaubensgemeinschaften.

Im Januar 1943 wurde er nach Norwegen überstellt. Hier machte er bis zum Kriegende seinen Dienst bei der Sicherheitspolizei in Kristiansand. Er war bei der Abeilung 4 angestellt und arbeitete mit Sachen gegen Leute mit deutschfeindlicher Gesinnung und unerlaubten Radiohörens.

Er nahm an Aktionen gegen Untergrundkämpfer teil. Darüber hinaus arbeitete er mit Flüchtlingssachen. Ab 1944 machte er seinen Dienst als Kriminalassistent. Sein militärischer Rang ab da war SS-Oberscharführer.

HEINRICH WILLFÜHR

Heinrich Willführ wurde am 17. August 1906 in Gleiding bei Hannover geboren. Er besuchte das Gymnasium, doch ohne das Abgangsexamen abzulegen. Nach der Schulzeit machte er eine dreijährige Lehre bei einem Kaufmann in Hannover. Danach war er zwei Jahre Verkäufer in der gleichen Firma. Später ging er für zwei Jahre auf eine „Drogistenschule" in Braunschweig und war danach zwei und ein halbes Jahr Expedient in Magdeburg und in Werder bei Berlin.

Sein Vater war Kaufmann, und Willführ begann 1931 im Geschäft des Vaters. Dieses übernahm er 1937. Im August 1939 wurde er zum Kriegsdienst bei den Sanitätern einberufen, aber diese Einberufung wurde zurückgenommen als der Krieg begann. Im Januar 1940 wurde er erneut zum Militärdienst einberufen. Da war er gerade krank und konnte nicht erscheinen.

Nachdem er wieder gesund geworden war, meldete er sich zur Waffen-SS und wurde zum 1. Juli 1940 zur Dienstausbildung einberufen. Nach acht Wochen in Oranienburg wurde er wieder nach Hause entlassen, weil er über dreissig Jahre alt war. Erst am 1. Dezember 1940 wurde er wieder einberufen. Er durchlief da die Grenzpolizeischule in Pretsch. Als dieser Kursus beendet war, wurde er im April 1941 nach Norwegen überstellt. Hier wurde er der Abteilung der deutschen Sicherheitspolizei zugeteilt. Neben seiner Teilnahme an Verhaftungen, Aktionen und Verhören war er beschäftigt mit

Tagebuchführen, Registrierungen und Verpflegung.

Im Januar 1944 übernahm er die Abteilung für Jagd- und Sprengstoffsachen. In dieser Abteilung arbeitete er bis zur Befreiung.

Willführ wurde Mitglied der NSDAP im Herbst 1938. Er wurde 1943 SS-Sturmmann und 1944 SS-Unterscharführer.