Eichinger-Gruppens Fall

Eichinger-Gruppens Fall

Feldwebel Robert Eichinger, Kristiansand, war ein stark engagierter Widerstandsmann. Er war Mitglied der Mil.Org. und der geheimen Nachrichtengruppe XU in Kristiansand. Im Sommer 1942 wurde er zum Fernmeldechef der Kampfgruppe 3 ernannt.Zu diesem Zeitpunkt gab es Meldungen, die auf eine alliierte Invasion hindeuteten.

Als ein Teil der Invasionsvorbereitungen führte Eichinger mehrere konkrete Massnahmen durch. Da es einleuchtend war, dass Kristiansand eine übergeordnete Rolle bei einem alliierten Landgang spielen würde, war es entscheidend, sich die Kontrolle über das zivile Fernmeldenetz zu sichern. Dabei war es von vitaler Bedeutung, sich die volle Übersicht über Liniennetz und Stationen des Fernmeldewesens im Landesteil Sörlandet zu verschaffen. Eichinger nahm deshalb Kontakt mit Fernmeldeexpedient Gudny Höegh-Omdal auf. Sie beschaffte Karten über das gesamte Liniennetz und alle Stationen.

In der Hinsicht die bemannten Stationen in einer Krisensituation mit zuverlässigen Personen besetzen zu können, wurde die Büroangestellte Else Bodin gebeten, 10-15 Damen in ihrem Bekanntenkreis auszuwählen. Diese mussten aber auf der "richtigen Seite" stehen. Ausserdem mussten sie Deutsch können. Else Bodin erhielt den Auftrag, die notwendige Fernmeldeverbindung für die Kampfgruppe 3 im Falle der Invasion herzustellen.

Robert Eichinger war auch Leiter einer Spezialgruppe, die Major Arne Laudal auf eigene Initiative hin aufstellen wollte. Diese wurde nach seinem Leiter Eichinger-Gruppe genannt. Eichinger-Gruppens Hauptaufgabe war die Sprengung des Verteidigungsringes um Kristiansand herum, der, wie man wusste, bei einer eventuellen alliierten Invasion errichtet werden würde. Viele von Laudals Leuten hatten ihre tägliche Arbeit in Kristiansand. Um diesen Leuten eine reelle Möglichkeit zu geben, an den aufgesetzten Mobilisierungsorten ausserhalb der Stadt zu erscheinen, wurde es als ungemein wichtig angesehen, Öffnungen in den deutschen Verteidigungsring über die Baneheia zu schlagen.

Die Spezialabteilung sollte nach den aufgestellten Plänen bewaffnet und als Eliteeinheit im Falle, dass es zum Kampf gegen deutsche Wehrmachtseinheiten kommen sollte, eingesetzt werden. Um best möglich zur Lösung dieser Aufgabe im Falle eines Einsatzes gerüstet zu sein, bekamen alle Mitglieder Waffeninstruktion von "Arne Andersen". Die Waffeninstruktion wurde bei einer Hütte auf der Höie-Kleiva in Mosby abgehalten.

Die Gruppe bestand aus insgesamt 13 Mann. Diese waren:

  • Lohnbuchhalter Robert Eichinger, Leiter der Gruppe
  • Bauarbeiter Kjell Erik Bodin, stellvertredender Leiter
  • Lagerarbeiter Leif Zachariassen
  • Abteilungsleiter Bjarne Aagaard Strøm
  • Lagerarbeiter Olaf Nodeland
  • Sägewerksarbeiter Reidar Bjårstad
  • Gymnasiast Gunnar Arntzen
  • Lagerexpedient Johan Edvin Andersen
  • Lohnbuchhalter Per Gunnar Seglem
  • Landwirt Leif Fröysaa
  • Fabrikarbeiter Einar Balchen
  • Warenhausangestellter Sverre Bentsen
  • Lagerarbeiter Reidar Bodin

Nachricht weckte Bestürzung

Am Sonnabend, dem 22. August 1942 schlug die Gestapo überraschend gegen die "Eichingergruppe" zu. Dies führte dazu, dass der Schneeball anfing zu rollen.
An diesem verhängnisvollen Sonnabend erhielt die deutsche Sicherheitspolizei in Kristiansand eine Fernschreibmeldung aus Oslo via Stavanger. In ihm wurde der Befehl erteilt, dass eine Reihe namhafter Personen verhaftet werden sollten. Diese sollten einer kommunistischen Hafen- und Sabotagegruppe im Distrikt Kristiansand angehören.

Gemäss dieser alarmierenden Meldung aus Oslo sollte diese Gruppe konkrete Pläne gehabt haben, deutsche Handelsschiffe zu sprengen und Sabotage gegen bestimmte Industriebetriebe durchzuführen. In diesem Zusammenhang wurden Verhaftungen in Kristiansand, Evje und Vennesla vorgenommen.

Gleichzeitig wurde ein Kommunistenkurier, der mit einem Küstendampfer aus Oslo kam, in Kristiansand verhaftet. Einer der Verhafteten der Kommunistengruppe in Kristiansand war auch Mitglied der Eichingergruppe. Während der verschärften Verhöre konnte der Betreffende dem gewaltigen Druck nicht widerstehen und gestand, was er wusste. In seiner Erklärung nannte er, dass Kjell Erik Bodin Mitglied einer geheimen Untergrundorganisation in Kristiansand war, die "Kongshirden" (Gefolgschaft des Königs) genannt wurden.

Diese Informationen erweckten Bestürzung bei der Sipo, weil diese Bezeichnung für sie vollständig unbekannt war. Der "königlich" klingende Name provozierte die Gestapoleute grenzenlos. Nachdem, was der Chef der deutschen Sicherheitspolizei in Kristiansand, Kriminalkommissar Rudolf Kerner nach dem Krieg erläuterte, kamen diese Informationen völlig überraschend für die Sipo.

Die Spezialabteilung wurde im Laufe von einigen Tagen vollständig aufgerollt.

Die Tatsache, dass die Gruppe als Kongshirden (des Königs Gefolgsleute, im Gegensatz zu Quislings hirdmen) erwähnt wurden, führte dazu, dass ihre Mitglieder im "Arkiv" besonders hart herangenommen wurden.

Harter Schlag gegen Mil.Org.

Das Aufrollen der Eichingergruppe war während der Okkupationszeit der erste ernsthafte Schlag in grösserem Ausmass gegen die Widerstandsbewegung im Landesteil Sörlandet.

Die deutsche Aktion war ein harter und brutaler Schlag gegen die Militärorganisation. Er führte zu einer sehr gefährlichen Situation sowohl für die Leitung als auch weit hinein in die Reihen der anderen Gruppenteilnehmer. Diese Mitglieder der Eichingergruppe wussten sehr viel über die illegale Arbeit, die in diesem Landesteil betrieben wurde.

Die aufdringlichste Frage war: Würden sie etwas verraten? Der Reihe nach wurden die 13 Mitglieder ins Arkiv eingebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Situation im Arkiv für Kerner und seine Leute beinahe als idyllisch vertont. Die Sipo hatte allerdings gewisse konkrete Resultate erreicht, obgleich diese im Umfang eher bescheiden waren. Vereinzelte Flugblätter wurden in Kristiansand und Mandal beschlagnahmt, und vereinzelte Verhaftungen wegen illegalen Besitzes von Radios und Waffen durchgeführt.

Abgesehen von diesen kleinen Vorfällen oppositioneller Aktivität hatte die "Aussendienststelle Kristiansand S." keinen organisierten Widerstand von besonderer Bedeutung im Landesteil registriert. Die Verhaftungen des Handelsbevollmächtigten Tor Njaa in Flekkefjord und Ingenieurkapitän Viggo Krag-Rönne vorher in diesem Jahr hatten die Auffassung Kerners nicht verändert. Es wurde angenommen, dass diese beiden Widerstandskämpfer kleinen, selbstständigen Gruppen angehörten ohne Anknüpfung an landesweite Gruppierungen.

Jetzt musste der mächtige Sipo-Chef seine Auffassung ziemlich radikal ändern. Plötzlich wurde offenbar, dass es mitten in seinem Verantwortungsbereich gefährliche militärische Gruppenbildungen gab.

Befahl sofort vollen Alarm

Kerner befahl augenblicklich vollen Alarm. Schon in den einleitenden Phasen machte die Sicherheitspolizei einen soliden Fang. Bei einer Razzia, die im Grosshandel Sörlandet Engros vorgenommen wurde, stiess die Gestapo auf eine britisch produzierte Stengun und zwei Mills Handgranaten. Dies führte verstärkt zu der Annahme, dass man es mit besonders gefährlichen Leuten zu tun hatte.

Lagerarbeiter Reidar Bodin und Lagerexpedient Johan Edvin Andersen wurden an ihrem Arbeitsplatz umgehend verhaftet. Sie wurden verdächtigt, hinter dem verborgenen Waffenlager zu stehen. Danach erfolgten die Verhaftungen eine nach der anderen. Im Laufe der nächsten drei Tage wurden alle 13 Mitglieder inhaftiert.
Der Leiter der Gruppe, Feldwebel Robert Eichinger, wurde ca. zwei Uhr in der Nacht zum Sonntag vom XU-Sekretär Karsten Onarheim geweckt, der erzählte, dass Kjell Erik Bodin verhaftet worden war. Eichinger ging davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr bestand. Diese Annahme war jedoch schmerzlich falsch.

Mitten in der Nacht kam die Gestapo mit SS-Sturmscharführer Hans Lipicki an der Spitze zu seinem Wohnsitz Gimleveien 16 und holten ihn ab. Er wurde sofort in Handschellen gelegt und abgeführt. Die Verhaftung hätte allerdings noch viel grössere Folgen haben können, weil sich bei ihm eine Reihe von geheimen Dokumenten befand. Dank des geistesgegenwärtigen Auftretens seines Stellvertreters im Nachrichtendienst, des Büroangestellten Hans Christian Arntzen, wurden die sensitiven Schriften sorgfältig verstaut. Arntzen entging der Verhaftung, weil ihn nicht alle Mitglieder kannten. Er setzte seine Arbeit im illegalen Sektor fort.

Bekam bald unheildrohenden Klang

Nach und nach gelangten alle 13 Mitglieder der Eichingergruppe ins Arkivet. Und jetzt nahmen die Deutschen und ihre Mitläufer eine Waffe in Gebrauch, der weder Mut noch Kühnheit widerstehen konnte. Nämlich Tortur.

Torturverhör wurde alsbald ein Begriff, der über das ganze Sörlandet hinaus einen unheildrohenden Klang erhielt. Die Deutschen selbst nannten diese Methode "verschärfte Vernehmung". Die Absicht war, die Widerstandskraft der Gefangenen zu brechen und die gewünschten Resultate zu erlangen. Nur wenige vermochten diesen grotesken Peinigungen zu widerstehen, und man kann nichts dagegen einwenden, dass viele zum Sprechen gebracht wurden.
SS-Hauptsturmführer Rudolf Kerner - ein gläubiger Katholik - zeigte sich als typischer Exponent des tyrannischen Naziregimes.

Zuerst wurden die Arrestanten der Reihe nach mit dem Gesicht zur Wand aufgestellt. Das erwies sich gleichsam als ein Kinderspiel. Die Absicht war jedoch, dass die Opfer "alleine über die Sachen nachdenken sollten und dabei einsehen, wie fürchterlich falsch sie gehandelt hatten". Die zermürbende stehende Stellung wurde zu einer starken Belastung. Die Gestapoleute erkannten schnell, dass Robert Eichinger viel wusste.

Zu Anfang wurde er in Kerners Büro geführt. Hier wurde er vom Arkiv-Chef selbst mit einem Gummiknüppel traktiert. Der Gestapomann Vögler hielt ihn, während Kerner schlug. Der Staatspolizeimeister Ole Wehus war bei dieser Gelegenheit passiver Zuschauer.

Die Faust mitten ins Gesicht

Später am gleichen Tag wurde Eichinger von SS-Sturmscharführer Hans Lipicki und vier anderen Gestapoleuten unter Behandlung genommen. Das Torturverhör begann damit, dass Lipicki dem 24-jährigen Widerstandskämpfer die Faust mitten ins Gesicht schlug. Danach wurde er in einen Stuhl mit dem Hintern nach oben hineingedrückt, während zwei Mann ihn wie in einem Schraubstock festhielten. Einer der Gestapoleute, wahrscheinlich Lipicki, schlug mit einem viereckigen, ungefähr 75 cm langen Stock. Am Stockende war ein Lederriemen mit kleinen Bleikugeln. Dies war die so genannte "Katze".

Robert Eichinger beschrieb später die Torturbehandlung im Arkiv. "Gleichzeitig wurden Fenster und Türen von zwei Gestapoleuten bewacht, während zwei Radioapparate eventuelle Schreie übertäuben sollten. Danach musste ich unter gleicher Behandlung gerade stehen. Die Arme wurden auf den Rücken verschränkt. Lipicki ging auf mich los und schlug mit seinen Fäusten auf meinen Kopf ein. Er schlug auch mit dem Gummiknüppel gegen meinen Kopf. Ich bin nicht sicher, aber es kam mir in mei-nem umnebelten Zustand so vor, als ob auch der Dolmetscher Rynning im Raum anwesend war".

Aufgrund der kräftigen Schläge, die ihm, besonders Lipickis Schläge mit dem Gummiknüppel gegen den Kopf, zugeführt wurden, leidet er seit dem entlang der linken Kopfseite an fürchterlichen Schmerzen. Die Schmerzen kamen und verschwanden wechselweise.

Robert Eichinger vermochte die ersten drei Tage zu schweigen. Dabei hatte er versucht, eine brauchbare Erklärung zu erfinden. Diese wurde jetzt den Gestapoleuten preisgegeben. Die ganze Schuld wurde dem früheren "Generalsekretär" Arnold Ödegaard beim XU, der nach Schweden geflüchtet war, sowie dem Waffeninstrukteur "Arne Andersen" angelastet. Den Namen des zuletzt genannten zu verraten war nicht gefährlich, da er wusste, dass es sich um einen Decknamen handelte.

Behandlung mit empfindlichen Schlägen

Der Arkiv-Chef Kerner selbst nahm Kjell Erik Bodin "unter seine Fittiche" und behandelte ihn mit empfindlichen Schlägen. Sverre Bentsen erhielt eine Serie mit Ohrfeigen und bekam ausserdem einen Umgang mit Lappes Gummiknüppel zu schmecken. Leif Zachariassen wurde "verhört", was heisst, dass er einen halben Tag lang in strammer Haltung mit Fusstritten und Schlägen zwischendurch stehen musste. Ole Wehus sass während der Verhöre in einem Sofa und grinste und lachte. Einmal sagte er: Das ist überhaupt nichts. Der müsste viel mehr haben.

In der Strafsache gegen Ole Wehus nach dem Krieg erklärte Leif Zachariassen, dass er mit einem Gummiknüppel über die Ohren gehauen wurde, so dass er zwischenzeitlich sein Gehör verlor.

Die Sicherheitspolizei kam bald dahinter, dass die "Kongshirden" auf vielen Gebieten eine sehr aktive Gruppe gewesen sein musste. Der Sachbearbeiter Friedrich Albert Lappe - ohne Zweifel einer der tüchtigsten und effizientesten Dienstleute - intelligent, hart und energisch. Aber gleichzeitig auch ungemein schlau. Lappe wurde als der am wenigsten rücksichtslose der Gestapoleute betrachtet, aber dennoch als der entschieden gefährlichste angesehen, weil er alle Sachverhalte gründlich kannte. Es nützte nichts, den scharfsinnigen deutschen Polizisten zu bluffen.

Aus der Sicht der Gestapo wurde das illegale Geschäft der Eichingergruppe als sehr ernst angesehen. Ganz offen wurde gesagt, dass es dafür nur eine Strafreaktion für solch ein Verbrechen geben konnte: Den Tod.

Führte die Deutschen nicht weiter

Die Aktivitäten der Eichingergruppe begrenzten sich auf die oben genannten Sachgründe. Das Aufrollen dieser Gruppe führte die Deutschen nicht weiter. Die Anknüpfung der Gruppe an Major Laudals Organisation wurde nicht verraten. Die Nachforschungen liefen den ganzen September hindurch weiter, aber ohne, dass neue Momente hinzukamen.

Die 13 Gefangenen wurden am 5. Oktober 1942 mit dem Zug nach Oslo transportiert und in dem offenen Barackenlager in Grini eingebracht. Die meisten landeten in der Baracke 6. Anfang Januar 1943 wurde Robert Eichinger und Kjell Bodin wegen neuer Verhöre zurück nach Kristiansand transportiert. Im Laufe dieser Sequenz kamen Dinge hervor, die die Kongshirden mit Laudals Organisation verbanden.

Nach ein paar Tagen, als Eichinger und Bodin wieder nach Grini zurückkehrten, wurden die 13 Mitglieder der Eichingergruppe dazu beordert, in einem der Räume im Hauptgebäude in Grini ihre Verteidiger zu treffen. Ihre Sache sollte vor das SS- und Polizeigericht Nord kommen.

Das verhiess nichts Gutes. Es erwies sich, dass die Strafverteidiger die Richter des Höchsten Gerichts Albert Wiesener, Lorentz Brinch und Jens Chr. Mellbye Jr. waren. Eichinger bekam Advokat Wiesener als Verteidiger. Er wurde als ein "Gestreifter" angesehen. Das Erste, was er zu Eichinger sagte, war: Ach so, Sie sind Eichinger. Für Sie gibt es keine Hoffnung.

Besser bekannt als "Haus des Todes"

Die Strafsache gegen die 13 Kristiansandere kam am 27. Januar 1943 vor das SS- und Polizeigericht. Das Polizeigericht wurde in den Kristinelundvei 22, besser bekannt als Haus des Todes, einberufen. Der Gerichtsvorstand war SS-Richter Hans Latza - Jurist mit dem Rang eines SS-Sturmbannführers.

Die Gefangnen wurden von Grini aus in einem geschlossenen Polizeiwagen transportiert und von bewaffneten Wächtern bewacht. Bei der Ankunft im Gerichtslokal wurden sie von einem Aufgebot deutscher Polizeisoldaten, ausgerüstet mit Helmen und Maschinenpistolen, in Empfang genommen. Sie waren offensichtlich auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Schon in seinem Öffnungsplädoyer gab der Staatsanwalt klar den Ausfall zu erkennen. Robert Eichinger und Kjell Erik Bodin wurde die doppelte Todesstrafe in Aussicht gestellt. Acht konnten eine Todesstrafe erwarten. Die drei weiteren sollten mit Zuchthaus davonkommen.

Es sollte sich zeigen, dass der Dolmetscher, ein Russe, seine Aufgabe nicht in ausreichendem Masse beherrschte. Nach Begehren von Eichinger wurde er mit einem anderen ausgewechselt. Eichinger meinte ausserdem, dass sein Verteidiger, Anwalt Wiesener, einen so schwachen Einsatz erbrachte, dass er darum bat, selbst mit einer Einlage zu kommen. Diesem wurde vom Hauptrichter Latza stattgegeben. Der junge Feldwebel übernahm dabei die volle Verantwortung gegenüber allen seinen Kameraden. Diese Einlage muss offenbar einen starken Eindruck auf die Richter gemacht haben.

Latza charakterisierte Eichinger als einen Fundskerl. SS-Hauptscharführer Friedrich Albert Lappe vom Arkiv war, während des gesamten Prozesses, zugegen. - Er äusserte kein einziges Wort, bemerkte Eichinger.

Latza: Todesstrafe musste verhängt werden

In seiner Rechtsbelehrung der Geschworenen machte SS-Richter Latza es deutlich, dass er sich gezwungen sah, dem Antrag des Staatsanwaltes zu folgen und die Todesstrafe auszusprechen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass er - aufgrund der standhaften Haltung des Angeklagten - gegenüber Reichskommissar Josef Terboven tun würde, was er könne - um eine Begnadigung zu erwirken.

Die Gerichtsverhandlung dauerte einen Tag. Das Urteil wurde am Nachmittag verkündet. 10 wurden zum Tode verurteilt. Diese waren: Johan Edvin Andersen, Gunnar Arntzen, Sverre Bentsen, Reidar Bjaarstad, Kjell Erik Bodin, Robert Eichinger, Olaf Nodeland, Per Gunnar Seglem, Bjarne Aagaard Strøm und Leif Zachariassen. Zwei der übrigen Mitglieder - Leif Fröysaa und Einar Balchen - erhielten drei Jahre Zuchthaus, während Reidar Bodin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Dies waren die ersten Todesurteile, die über Kristiansandere ausgesprochen wurden.

Terboven willigte Begnadigung ein

Vermutlich dank eines massiven Einsatzes einer Reihe hervortretender Personen in Kristiansand, u.a. Bezirksarzt Knut Litleré und dem staatlichen Repräsentanten im Landesteil, Daniel B. J. Koren, sowie dem Hauptrichter Latza, legten sie ihre Fürsprache ein, und Terboven ging auf die Begnadigung der zum Tode verurteilten ein.
Am 24. Februar 1944 war in den Zeitungen zu lesen, dass die Todesstrafen für die zehn in lebenslanges Zuchthaus umgewandelt wurden.
Die Mitglieder der Eichingergruppe wurden danach nach Deutschland verfrachtet. Die meisten landeten im Zuchthaus Fuhlsbüttel bei Hamburg. Sie kamen am 28. Mai 1945 über Schweden nach Hause.